über den Autor

Hallo liebe Besucher

Zu meiner Person finden Sie hier einige markante Eckpunkte aus meinem Leben, die letztlich zur Entstehung meines recht ungewöhnlichen Buches, wie auch dieser initiativen Begleitwebseite geführt haben.

Eigentlich folgerichtig, wenn man bedenkt, dass schon meine Geburt im Juli 1957 in Hohenlimburg mit 7 Monaten einen ungewöhnlichen Anfang nahm. Zu jener Zeit war Gewalt, insbesondere gegen Kinder, zwar weit häufiger verbreitet als in der Gegenwart, doch traf mich die häusliche Gewalt und familiäre Ausgrenzung mit einer dermaßen unbarmherzigen Wucht, wie sie auch zur damaligen Zeit keiner "üblichen" Kindesmisshandlung mehr entsprach.
Im Gegensatz zu meinem älteren Bruder, der vermutlich mit ähnlicher Ablehnung bedacht wurde, hatte ich insofern mehr Glück, da ich nicht wie er 1-jahrig verstarb, sondern trotz aller Gewalt und Isolation meiner Dachkammer, die ersten 8 Lebensjahre überlebte.

Die häusliche Hölle hinterließ mit einer mindestens um zwei Jahre weitreichenden Entwicklungsverzögerung sowohl physische, wie auch psychische Spuren, deren Schäden zunächst innerhalb einer zweijährigen Einweisung in eine Kinderpsychiatrie behandelt wurden.
Das war 1965, als ich dort fast 8-jährig im Rahmen eines Pilotprojekts in einer Sonderförderklasse mit nur 6 oder 8 Kindern eingeschult wurde.
Die klinische Betreuung war trotz meiner schweren Verhaltensstörungen insoweit erfolgreich, um nach etwa zwei Jahren in ein Erziehungsheim in Kleinenbremen verlegt zu werden.

Dort verbachte ich von 1967 bis 1974 sieben weitere Lebensjahre, auf dessen Erfahrungen an liebloser Härte sicher jeder gern verzichtet hätte, wenngleich ich die dortigen Zustände aufgrund meiner vorhergehenden Erfahrungen noch lange über meine Heimzeit hinaus als verhältnismäßig normal empfand.
Hier wurden wir Kinder zunächst, von roher Gewalt begleitet in der heiminternen Schule unterrichtet. Trotz aller Härten entwickelte ich mich dort zu einem recht guten Schüler, dem ab der 7. Klasse das damals noch seltene Privileg eingeräumt wurde, von 1972 - 1974 eine auswärtige Hauptschule besuchen zu dürfen. Aufgrund des spürbaren Leistungsgefälles zwischen der öffentlichen und heiminternen Schule, sowie offenkundiger Vorbehalte seitens mancher Lehrkräfte gegenüber Heimkindern, erreichte ich den Hauptschulabschluss mit einem kläglichen Notendurchschnitt  gerade noch gnadenhalber.

Da war ich bereits 17 Jahre alt und wechselte nun in ein Lehrlingsheim nach Hemer.
Was aus mir werden sollte, wusste zum damaligen Zeitpunkt keiner so richtig und so ergriff ich eher notgedrungen die erstbeste Gelegenheit, um bereits 5 Tage nach meinem Umzug ins Lehrlingsheim, eine Maler und Lackiererlehre aufzunehmen.
Keine schlechte Wahl, wie sich dank des familiär anmutenden Lehrbetriebs letztlich erwies. Doch trotz aller Freiheit, die ich nach einem Jahr mit der Volljährigkeit und Umzug in ein eigenes möbliertes Zimmer erhielt, machten mir die Hypotheken meiner vorhergehenden Lebenserfahrungen noch lange Jahre schwer zu schaffen, um mich um Geld, Würde und nahezu mein Leben zu bringen.

Was Wunder, wenn man wie die meisten Heimkinder jener Zeit mit der Volljährigkeit nahezu unvorbereitet von einem Augenblick zum anderen aus unterwürfigen Abhängigkeitsverhältnissen der Unselbstständigkeit ins normale Leben ausgespuckt wurde, um nun vollverantwortlich auf sich allein gestellt seinen "Mann" zu stehen.
Von daher wundere ich mich in der Rückschau nicht mehr, warum sich mein weiterer Lebensweg als außerordentlich einsam, dornenreich und demütigend erwies. Bedauerlicherweise gelang es mir trotz Wohnortnähe, von geringen Ausnahmen abgesehen, nie mehr richtig Anschluss zu meiner Ursprungsfamilie zu gewinnen.

Die Malerlehre schloss ich 1977 jedenfalls erfolgreich ab, obwohl ich schon zu diesem Zeitpunkt mit außerordentlich belastenden Umständen und Ereignissen konfrontiert wurde. Unter anderem meine früh einsetzende Spielsucht, auch das Thema sexueller Missbrauch wurde in dramatischer Weise ein Thema. Der Suizid meines Vaters, wie auch später mein eigener Suizidversuch und viele Dinge mehr, mit dessen vielfältigen Erfahrungen ich sicher Bände füllen könnte. Doch habe ich mich in meinem Buch darauf beschränken müssen, im biografischen Teil nur die markantesten Ereignisse herauszugreifen.

Nach meiner Lehre und zweijährigen Verpflichtung bei der Bundeswehr von 1978-80 folgten unstete Jahre. Zunächst war ich mit kurzer Unterbrechung drei/vier Jahre im Tiefbau als Bauhelfer beschäftigt. Anschließend wechselten sich die Zeiten von Jobs, einer abgebrochenen Umschulung, Arbeitslosigkeit mit etlichen Nebenbeschäftigungen ab.

Die Wende zur Stabilisierung trat erst so richtig mit dem Beginn einer zweijährigen Umschulung zum Büroinformationselektroniker ein. (1987/88) Obwohl ich anschließend, trotz intensiver Suche, zunächst keine Arbeit fand stellte sich die Wende zu einem tragfähigen Lebensfundament mit der neuerlichen Anstellung in meinem Umschulungsbetrieb ein.

Aber nicht in meinem neuen Beruf. Nein, meine Chefs hatten zuvor mein handwerkliches Geschick kennen und schätzen gelernt, um fortan den raketenmäßig expandieren Betrieb mit ständig neuen Bauten und Filialen ein, bzw. herzurichten.
Quasi ein Mann für alle Fälle.
Diese Tätigkeiten und das betriebliche Umfeld gehörten zu den positivsten Erfahrungen meines Lebens.
Denn erstmals wurde mir und meine Leistungen eine ungekannte Wertschätzung und Vertrauen entgegengebracht, die mich in jeder Hinsicht beflügelten, um die gestellten Herausforderungen mit größter Freude und Leistungsbereitschaft meist überaus erfolgreich zu meistern.
Zudem wurden mir großzügige Hilfen angeboten, mit denen es mir recht schnell gelang, meine Finanzen zu ordnen und den verbliebenen Schuldenstand vollständig abzubauen.

Aus nicht nachvollziehbaren Gründen ging die Firma 1993 in Konkurs und verlor damit meinen abwechslungsreichen geliebten Arbeitsplatz und Chefs, die ihre Mitarbeiter überaus wertschätzten und damit zu einem außerordentlich angenehmen Betriebsklima beitrugen.

In jener Zeit lernte ich meine Frau kennen. Wir heirateten Ende 1993 und hatte das Glück, auf Anhieb eine neue Beschäftigung als verantwortlicher Hausmeister in einer großen Seniorenresidenz aufzunehmen.
Bereits ein Jahr später kam unser Wunschkind Tochter 1994 und 1996 unser gleichsam erwünschter Sohn zur Welt, um das zuvor verklärte Idealbild einer glücklichen Familie perfekt zu machen. 1999 bezogen wir unser neues Haus, an dem ich/wir fast zwei Jahre gebaut hatten.
2001 bewarb ich mich auf eine Stellenausschreibung als Hausmeister des örtlichen Gymnasiums.
Dieses befindet sich nur zwei Minuten zu Fuß von unserem Haus entfernt. Und holla, auch hier hatte ich wieder Glück, um auf Anhieb die neue Herausforderung zu übernehmen.
Diese Stelle war mit dem Erfordernis zur Bewirtschaftung eines Kiosks und Einführung eines warmen Mittagessenangebots für die 1500 Schüler und Lehrer verbunden. So eine Auftrag war nur mit Hilfe meiner Frau zu bewältigen, die dazu eigens ihren zuvor geliebten Arbeitsplatz kündigte.

Diese Zusatzaufgabe, die nicht nur aufgrund der geringen Lagerkapazitäten mit extremen Stress und Zeitaufwand verbunden war, hinterließ jedoch gegenüber unseren eigenen Kindern deutliche Spuren, da wir und im speziellen ich ihnen nicht mehr in dem Maß zur Verfügung standen, wie es eigentlich erforderlich gewesen wäre. Dummerweise machten wir in Unkenntnis der Dinge damals noch den zusätzlichen Fehler, unsere Kinder "nur zu ihrem Besten" gedacht, schulisch unter erheblichen Erwartungsdruck zu setzen.

Mein eigenes Verständnis bezüglich Erfordernissen gegenüber Kindern nahm erst Ende 2003 eine langsam voranschreitende Wende. Es begann mit der zufälligen Entdeckung eines Folterberichts von Amnestie International, in dem Praktiken beschrieben wurden, die mir nur zu gut bekannt waren und zum normalen Erfahrungsbild meiner Kindheit gehörten. Geschockt realisierte ich erst ab diesem Zeitpunkt die katastrophalen Zustände meiner Kindheit und Jugend, die ich bis dahin noch irgendwie als halbwegs normal verinnerlicht hatte.
Es folgte ein bitterer über Jahre andauernder Aufarbeitungsprozess.

Im Ergebnis wurde mir immer klarer, dass es weit früherer und kontinuierlicher Aufklärungsarbeit bedarf, um Kinder vor Gewalt zu schützen und ihnen damit ähnliche Lebensläufe wie meinem zu ersparen.
Wer meint, dass dazu wenig Anlass besteht, da unsere Kinder kaum noch von Gewalt betroffen sind, irrt gewaltig.

Richtig ist: Es werden inzwischen weniger Kinder schwer körperlich misshandelt.
Richtig ist: Selbst diese wenigen Kinder sind in Hinblick auf die lebensbeeinträchtigenden Folgen für jedes einzelne Kind, ein Kind zu viel.
Richtig ist: Immer mehr Kinder werden härterer und subtiler psychischer Gewalt ausgesetzt.
Richtig ist: Nahezu alle Kinder wurden psychisch misshandelt.
Somit ist von wenigen Ausnahmen abgesehen nahezu unsere gesamte Gesellschaft gewaltbetroffen.

Besonders interessant daran ist die Tatsache, dass sich die allermeisten Menschen ihrer eigenen Gewaltbetroffenheit und deren verheerenden gesellschaftlichen Folgen nicht bewusst sind.

Diese Erkenntnis entwickelte sich innerhalb meines eigenen Aufarbeitungsprozesses eher beiläufig, indem ich zunächst nur für mich selbst drei Fragen zu ergründen versuchte:

1. Warum ich meine massive Gewaltbetroffen nicht weit früher realisieren konnte?
2. Wie es zu dieser und ähnlichen familiären Katastrophen kommen konnte?
3. Wie künftige Kinder wirksam vor ähnlichem Unheil bewahrt werden könnten?

Bei all den Fragen, entwickelten sich die Antworten in der beständigen Betrachtung zwischen Ursache und Wirkungen nahezu von selbst. Herausgekommen sind jede Menge interessante Erkenntnisse die nun Kerninhalt dieser Webseite und meines umfangreicheren Buches geworden sind.

Natürlich habe ich durch meine verunglückte Kindheit einige Narben zurückbehalten, bin aber rückblickend keineswegs verbittert. Nein, gerade vor dem Hintergrund meiner Vergangenheit empfinde ich das gegenwärtige Leben gemeinsam mit meiner Frau als außerordentlich glücklich, entspannt und täglich bereichernd. 
Besonders wichtig: Ohne meine Erfahrungen, wäre ich vermutlich nie der Mensch geworden, der ich heute bin, der mich ausmacht und letzlich zur Entstehung dieser Webseite und, wie ich finde, wichtigem Buch beigtragen hat, denn die Zukunft können wir nur aus der Erfahrung der Vergangenheit heraus gestalten.

Ich möchten jeden ermuntern, sich selbst ein Bild zu verschaffen, um uns für nachfolgende Generationen als bewusste und damit hilfreiche Baumeister der Zukunft zu erweisen.

Mit herzlichen Grüßen
Ihr Klaus Klüber

2017